Lunch-Talk im Juni: „Gesund und Erfolgreich Studieren" (Prof. Dr. Simone Kauffeld, TU Braunschweig) : Datum:
Studierende empfinden das Studium zunehmend als stressig. Was kann man dagegen tun? Mit dieser Frage beschäftigt sich Professorin Simone Kauffeld gemeinsam mit ihrem Team im Projekt „Gesund und erfolgreich studieren (GesA-Stud)“. Von Ergebnissen berichtet Sie im Lunchtalk und im Interview.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich mit der Gesundheit von Studierenden zu beschäftigen?
Für uns gab es zwei Zugänge. Zum einen beschäftigen wir uns schon sehr lange mit Studierenden, mit dem Berufseinstieg von Studierenden, mit dem Studienerfolg. Zum anderen haben wir hier am Lehrstuhl auch einen Schwerpunkt zum Thema „Gesund Arbeiten.“ Da haben wir in den vergangenen Jahren intensiv dran gearbeitet, wie man nicht nur das Verhalten der Mitarbeiter, sondern auch die Verhältnisse grundsätzlich ändert. Und diesen Ansatz wollten wir für die Gesundheitsförderung von Studierenden weiterentwickeln und an deren spezifische Bedarfe anpassen.
Wie geht es denn Studierenden in Deutschland?
Studierende sind zunehmend gestresst. Aus großen Studien weiß man, dass 70 Prozent der Studierenden Stress erleben. Das hat Folgen hat für die Gesundheit. Da Studierende meist erst am Anfang ihrer Karriere stehen, ist es kritisch, dass viele Studierende schon angeschlagen aus dem Studium kommen und keine guten Strategien haben, Stress zu bewältigen. Zudem werden einige Studierende möglicherweise auch unsere Führungskräfte von Morgen werden, die in ihren Rollen oft Vorbildfunktionen innehaben. Mit unserem Projekt wollen wir möglich früh mit Prävention starten, damit Studierende später auch als Multiplikatoren für die Bedeutung von gesundheitsbezogenen Maßnahmen in der Arbeitswelt wirken können.
Was sind die Gründe für den Stress der Studierenden?
Für viele ist der Zeit- und Leistungsdruck groß, dazu kommen finanzielle Themen und private Belastungen. Aus unseren Fragebogen geht heraus, dass es vielen Studierenden zudem schwerfällt, mit Misserfolgen umzugehen, dass ihnen Feedback fehlt und sie nicht wissen, wie sie sich selbst organisieren können. Überraschend fand ich, dass viele Studierende von Gruppenarbeit offenbar weniger profitieren konnten als erwartet. Da würde es wahrscheinlich schon helfen, den Studierenden ein paar Tools an die Hand zu geben, wie man Teamarbeit gut koordiniert. Gleichzeitig gibt es Ressourcen, die Studierende unterstützen: Viele Studierende waren zufrieden mit ihrer Wohnsituation, der Vielfalt des Studiums und der Entwicklungsmöglichkeiten, die das Studium für sie bringt.
Wie sind Sie im Projekt vorgegangen?
Wir nutzen den bereits entwickelten ReA-Stud-Fragebogen, um Anforderungen und Ressourcen von Studierenden zu erfassen. Die Studierenden füllen zu Beginn der Studienteilnahme diesen Fragebogen aus und können dann sehen, welche Anforderungen und Ressourcen sie individuell erleben. Aufbauend auf diesem Feedback bekommen die Studierenden zu ihrem Profil passend Empfehlungen und Mikrointerventionen, beispielsweise zur Abgrenzung vom Studium, zur Erholung oder zum gesundheitsförderlichen Umgang mit Belastungen. Diese sind so aufgebaut, dass die Studierenden diese eigenständig ausprobieren können.
Zudem werden die Studierenden zufällig einer von fünf Gruppen zugeteilt: einer Wartekontrollgruppe, einer Gruppe, die ausschließlich die Maßnahmen erhält, sowie drei Gruppen, in denen die Maßnahmen zusätzlich durch Coaching, ein Training oder ein Transfer-Tool ergänzt werden. Auf diese Weise untersuchen wir, wie wirksam die Maßnahmen sind und inwiefern zusätzliche Unterstützungsangebote dazu beitragen können, die Inhalte nachhaltig in den Studienalltag zu übertragen.
Sie haben gesagt, es geht Ihnen nicht nur um die Verhaltensprävention, sondern auch darum, die Verhältnisse zu ändern. Wie kann das funktionieren?
Zum einen durch die Studierenden selbst, die als Multiplikatoren fungieren können. Zum anderen bieten wir Universitäten an, mit Ihnen darüber zu sprechen, welche Anforderungen es bei Ihnen gibt oder was Sie möglicherweise ändern könnten, damit Studierende das Studium als weniger stressig erleben und erfolgreich abschließen können. Diese Erkenntnisse können Hochschulen nutzen, um Studienbedingungen weiterzuentwickeln.
Wer Interesse hat, an der nächsten Erhebungswelle teilzunehmen, kann sich bereits jetzt vormerken lassen. Die nächste Studienphase startet voraussichtlich im Oktober. Als Respondenin im Lunchtalk ist Susanne Wendlandt, Leitein der Psychosozialen Beratung bei Seezeit Studierendenwerk Bodensee zu Gast, die aus ihrer Tätigkeit die Sicht aus der Praxis ergänzt.