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Lunch Talk im Juli: „Fächergruppe schlägt Trägerschaft? Persönlichkeits- und Personalentwicklung an privaten und öffentlichen HAW" (Christiane Arndt, Institut für Hochschulforschung – HoF) : Datum:

Wie unterscheiden sich private und staatliche Hochschulen in Bezug auf Persönlichkeits- und Personalentwicklung? Diese Frage beschäftigt Christiane Arndt (Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) vom Projekt Persoeso. Im Lunchtalk und im Interview erzählt sie von den bisherigen Projektergebnissen.

Wie entstand die Idee zu Ihrem Forschungsprojekt? Warum beschäftigen Sie sich mit Persönlichkeits- und Personalentwicklung an Hochschulen?

Ich beschäftige mich in meiner Arbeit vor allem mit Lehren und Lernen an Hochschulen. Dabei stellen sich immer drei grundlegende Fragen: Was macht ein Hochschulstudium eigentlich aus? Was sind, wenn man den Begriff in diesem Kontext verwenden möchte, die Ziele? Welche Kompetenzen werden angestrebt? Und welche Formen von Lehren und Lernen braucht es, um diese Ziele zu erreichen und die Kompetenzen zu entwickeln? Als die Ausschreibung zu privaten Hochschulen erschien, lag es nahe, diesen Fragen in einem neuen Kontext nachzugehen. Private Hochschulen unterscheiden sich von staatlichen Einrichtungen vor allem dadurch, dass sie ihre Finanzierung überwiegend über Studiengebühren sicherstellen müssen. Deshalb stellte sich für uns die Frage, ob sich diese ökonomische Organisationslogik auch auf Studium und Lehre überträgt. Unsere Ausgangsthese war bewusst zugespitzt: Orientieren sich private Hochschulen stärker an Personalentwicklung und den Anforderungen des Arbeitsmarkts, während staatliche Hochschulen eher einem klassischen Bildungsverständnis verpflichtet sind?

Wie sind Sie dabei methodisch vorgegangen?

Unser Projekt besteht aus drei Arbeitspaketen. Im ersten Schritt haben wir Interviews an zehn Hochschulen für angewandte Wissenschaften geführt, sowohl an öffentlichen als auch an privaten Einrichtungen. Wir haben uns bewusst auf diesen Hochschultyp konzentriert, weil Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) von Beginn an den Auftrag hatten, praxisnah auszubilden und auf berufliche Tätigkeiten vorzubereiten. Zudem stellen sie den überwiegenden Teil der privaten Hochschulen in Deutschland dar. An den Hochschulen haben wir mit den zentralen Statusgruppen gesprochen: Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten für Studium und Lehre, Verantwortlichen für Qualitätsentwicklung und Hochschuldidaktik sowie Lehrenden. Inhaltlich haben wir uns auf zwei Fächergruppen konzentriert, die an privaten Hochschulen besonders stark vertreten sind: die Wirtschaftswissenschaften sowie die SAGE-Fächer (Soziale Arbeit, Gesundheit, Erziehung und Bildung).

Was machen Sie im zweiten und dritten Arbeitspaket?

Im zweiten Arbeitspaket haben wir Interviews mit Studierenden geführt. Dabei standen ihre Bildungsbiografien, Studienmotive und Erwartungen an Kompetenzentwicklung im Mittelpunkt. Ergänzend konnten wir auf die bundesweite Studierendenbefragung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) aus dem Jahr 2021 zurückgreifen. Wir haben die Daten speziell für unsere Fragestellungen und die von uns untersuchten Fächergruppen ausgewertet. Dadurch konnten wir unsere qualitativen Interviews mit einer deutlich größeren Datenbasis verbinden. Das dritte Arbeitspaket befasst sich mit Absolventinnen und Absolventen. Die Interviews wurden bereits geführt, im Moment werten wir dieses Material aus.

Was sind Ansatzpunkte für Hochschulen, um Personalentwicklung zu gestalten?

Das passiert auf ganz unterschiedlichen Ebenen, wenn man Personalentwicklung unter Praxisorientierung fasst. Hochschulen für angewandte Wissenschaften sind grundsätzlich praxisorientiert angelegt. Praktika spielen eine größere Rolle, teilweise müssen Studierende bereits vor Studienbeginn Praxiserfahrungen mitbringen oder diese sind fest in das Studium integriert. Eine wichtige Stellschraube sind die Studiengangsformate. Das ist eine Nische, die insbesondere private Hochschulen früh entdeckt haben: berufsbegleitende und duale Studiengänge. Studiengänge können so gestaltet werden, dass Studierende nicht klassisch jeden Tag an der Hochschule vor Ort sind, sondern Studium und Berufspraxis auf unterschiedliche Weise miteinander verbunden werden oder zumindest vereinbar sind. Eine Besonderheit privater Hochschulen ist der hohe Anteil an beruflich Qualifizierten und Berufstätigen unter den Studierenden. Diese bringen eigene Erfahrungen mit und tragen sie in das Studium hinein. Ein Lehrender hat das einmal so beschrieben: Würden sich diese Personen im Arbeitsalltag begegnen, wären sie Kolleginnen und Kollegen. Das ist eine besondere Konstellation in der Lehre.

Sie sind mit der These gestartet, dass staatliche Hochschulen stärker Persönlichkeitsentwicklung fördern und private Hochschulen stärker Personalentwicklung im Sinne einer Anpassung an den Arbeitsmarkt betreiben. Hat sich diese These bestätigt?

So einfach ist es nicht. Wir haben zunächst vor allem Unterschiede zwischen den Fächergruppen gefunden. Die Motive von Studierenden unterscheiden sich beispielsweise zwischen SAGE und Wirtschaftswissenschaften. Auffällig war, dass die Personen, mit denen wir an staatlichen Hochschulen gesprochen haben, kritischer gegenüber einer zu starken Orientierung an Praxisanforderungen waren. Das haben wir bei privaten Hochschulen weniger gefunden.

Was ist für Sie die wichtigste Erkenntnis aus dem Projekt?

Eine zentrale Erkenntnis ist, dass man Unterschiede nicht allein an der Trägerschaft festmachen kann. Entscheidend ist, wie Studiengänge gestaltet werden und ob sie Entwicklungsprozesse bei Studierenden ermöglichen. Es geht darum, Bildungsprozesse zu begleiten, Neugier zu wecken und auch die Reflexion darüber anzuregen, dass ein Studium mehr und anders sein kann als die ursprüngliche Erwartung. Und das gilt unabhängig davon, ob ein Studium an einer privaten oder staatlichen Hochschule absolviert wird.

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Mehr zum Thema gibt es im Juli-Lunch Talk. Als Respondentin ist Frau Urte Böhm, Mitarbeiterin im Qualitätsmanagement und -entwicklung in Studium und Lehre der Alice Salomon Hochschule Berlin zu Gast, die insbesondere Fragen zur didaktischen Gestaltung der Lehre in den Fokus rückt. 

Der Lunch Talk wird von Dr. Sebastian Jakob (VDI/VDE-IT) moderiert.

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