GreAk
Grenzzonen der Akademisierung. Effekte der Hochschulexpansion auf die berufliche Bildung und ausgewählter Berufe in der Bauindustrie.
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Die Nachwuchsforschungsgruppe untersucht am Beispiel des handwerks-geprägten Baugewerbes wie die Hochschulbildungsexpansion Berufe verändert. Entgegen der weitgeteilten Annahme einer wechselseitig sich ausschließenden Grenze zwischen akademischen und Ausbildungsberufen, die sich im Nullsummenspiel zwischen steigenden Studienanfängern und rückläufigen Ausbildungsverträgen zeigt, wird der Fokus auf die Aushandlung- und Anpassungsprozesse an dieser Grenze gelegt. Über die Untersuchung von Grenzzonen lässt sich zeigen, so die forschungsleitende Hypothese, wie immer mehr Berufsfelder durch akademisches Wissen und nach akademisch erzeugten normativen und kognitiven Erwartungen strukturiert werden: eine Akademisierung der Arbeitswelt. Die Akademisierung wird in der ersten Förderphase über drei empirische Grenzzonen und anhand der Komplementärberufe Bauingenieur, Architekt, Stahlbetonbauer und Zimmerer operationalisiert: Die historische Rekonstruktion von Lehrinhalten der Hochschul- und Berufsbildung, sowie branchenrelevanter akademischer Innovationen erlaubt Umfang und Art der Diffusion akademischer Inhalte in die Berufsbildung darzustellen. Über Schnittstellenanalysen von Stellenanzeigen wird zweitens gezeigt, wie sich Berufsprofile an Veränderungen in den Bildungsanforderungen anpassen. Schließlich werden drittens über vergleichende organisationsbezogene Fallstudien an Bildungseinrichtungen Unterschiede und Anpassungen in Lehre und Aneignung akademischer und nicht akademischer Inhalte untersucht. Die NFG ermöglicht es umfänglich die Effekte der Hochschulexpansion auf die Gewerke zu rekonstruieren und so konkrete Handlungsprobleme und -erfolge mit Blick auf die Fachkräfterekrutierung zu formulieren. Sie erweitert zudem den Blick auf die Transformation der Arbeitswelt an der Schnittstelle zwischen Berufsbildungs- Professions- und Arbeitsmarktforschung durch die Perspektive der Wissenschafts- und Hochschulforschung.
Zuwendungsempfänger
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Projektleitung: Alexander Mitterle
Laufzeit: 01.06.2025 - 31.05.2028