„Wissenschaftliche Exzellenz und Chancengleichheit in Hochschule und Forschung – ein Widerspruch? Globale und lokale Entwicklungen im Vergleich“

Call for Articles für ein Schwerpunktheft der Zeitschrift „Beiträge zur Hochschulforschung“

Schon seit längerem zielen politische Programme auf die Förderung der Chancengleichheit von Benachteiligten und Marginalisierten, etwa qua Geschlecht, aber auch Lebensstil, sozialer Herkunft und Migrationshintergrund, sowie Erweiterung der Diversität in Hochschule und Forschung. Hinzu gekommen sind neuere politische Programme zur Förderung der so genannten Exzellenz, die den Wettbewerb zwischen Wissenschaftseinrichtungen und Forschenden mobilisieren. Nicht zuletzt dadurch ist Exzellenz nunmehr zu einem erstrebenswerten Ziel geworden: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und ihre Forschungen sowie wissenschaftliche Organisationen möchten exzellent sein oder zumindest werden und richten ihre Aktivitäten darauf aus, ein klar erkennbares Profil, vorausschauende strategische Planung und messbare Ergebnisse (Output) aufzuweisen.

Auf den ersten Blick kann diese Entwicklung als Exzellenzexplosion beschrieben werden, im Zuge derer meritokratische Ideen (wieder)belebt und gestärkt werden. Allerdings sind Exzellenzvorstellungen per se schon seit jeher mit der Wissenschaftsentwicklung verbunden und daher nicht gänzlich neu in Hochschule und Forschung. Im Zuge des Aufstiegs von New Public Management und der neuen Governance der Wissenschaft scheinen sie jedoch reformuliert zu werden und eine paradoxe Situation hervorzurufen. Eingebettet in den Diskurs der wissenschaftlichen Exzellenz und unternehmerischen Universität, verstärken sich so vielfältige Ungleichheiten zwischen Individuen und Organisationen. Begleitet wird diese Entwicklung von andauernden Reformprogrammen, die auf die Förderung von Chancengleichheit und Diversität in der Wissenschaft zielen und den Abbau bestehender Ungleichheiten voranbringen wollen.

An diesen vermeintlich gegenläufigen, ja paradoxen Entwicklungen in globalen und lokalen Kontexten setzen die „Beiträge zur Hochschulforschung“ in einem Themenheft an. Hierfür werden quantitative und qualitative empirische Analysen, Vergleichsstudien, Überblicksartikel und Einblicke in die Praxis gesucht, die gegenwärtige Reformstrategien der Förderung von Exzellenz und Chancengleichheit sowie deren Umsetzung in wissenschaftlichen Organisationen und Karrieren theoretisch und empirisch ausleuchten sowie Forschungsdesiderate identifizieren. Mögliche Fragestellungen sind unter anderem:

  • Wie schlagen sich die Reformstrategien der Exzellenz und der Chancengleichheit in der Wissenschaftsproduktion (einschließlich Forschungsförderung) nieder? Inwiefern geraten sie in ein Spannungsverhältnis, und inwiefern gehen sie Allianzen ein? Was zählt als exzellentes wissenschaftliches Wissen? Und welche Kriterien und Verfahren werden verwendet, um exzellente Wissenschaft zu messen?
  • Welche Bedeutung kommt Chancengleichheits- und Diversitätspolitiken in der Konstruktion exzellenter wissenschaftlicher Organisationen zu? In welchem Ausmaß gehen Exzellenz und Chancengleichheit in wissenschaftlichen Organisationen Hand in Hand, in welchem Ausmaß unterscheiden sie sich voneinander, und warum?
  • Welche Rolle spielen Exzellenz und Chancengleichheit für die Konstruktion des „idealen Wissenschaftssubjekts“? Wie wirken sie sich auf die Planung und Verläufe wissenschaftlicher Karrieren aus? Inwiefern werden dabei alte Ungleichheiten verstärkt bzw. neue Ungleichheiten produziert?

Bei Interesse wird zunächst um Einreichung eines Abstracts im Umfang von zwei bis drei Seiten bis zum 10. Januar 2019 gebeten. Alle Themenvorschläge werden von den Herausgeberinnen hinsichtlich ihrer Eignung für das geplante Themenheft bewertet. Die Autorinnen und Autoren erhalten bis Anfang Februar 2019 eine entsprechende Nachricht.

Frist für die Einreichung der vollständigen Manuskripte ist der 1. Juli 2019.

Alle Artikel, die grundsätzlich für eine Veröffentlichung in Frage kommen, durchlaufen ein Review-Verfahren durch unabhängige Gutachterinnen und Gutachter (double blind). Einzelheiten finden Sie in den „Hinweisen für Autorinnen und Autoren“ (www.bzh.bayern.de/56/). Die Veröffentlichung ist in der ersten Jahreshälfte 2020 in den „Beiträgen zur Hochschulforschung“ geplant. Es handelt sich um ein Themenheft, das im Rahmen des DFG-/SNF-geförderten Forschungsprojekts „Exzellenz und/oder Chancengleichheit der Geschlechter: Nationale Programmatiken und diskursive Praktiken an Universitäten (Deutschland und Schweiz)“ gemeinschaftlich mit dem Bayerischen Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF) herausgegeben wird. Verantwortlich ist Professorin Dr. Heike Kahlert, Ruhr-Universität Bochum.

Themenvorschläge und Abstracts werden an folgende E-Mail-Adresse erbeten:

Beitraege@ihf.bayern.de