Lebenslanges Lernen in Beruf und Hochschule

Eva Cendon

Eva Cendon hat seit März 2018 eine Professur für Wissenschaftliche Weiterbildung und Hochschuldidaktik der FernUniversität in Hagen inne. Das Doktoratsstudium schloss die diplomierte Pädagogin an der Universität Graz mit den Schwerpunkten Erwachsenenbildung sowie Frauen- und Geschlechterforschung ab. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich des lebenslangen Lernens, der wissenschaftlichen Weiterbildung sowie in Ansätzen des Action Research.

WiHo-Redaktion: Wie würden Sie das Profil Ihrer Professur mit Blick auf die Forschung beschreiben?
Eva Cendon: Die Professur verknüpft zwei an Hochschulen quer liegende und in Bezug auf Forschung insgesamt junge Themen: wissenschaftliche Weiterbildung und Hochschuldidaktik. Der zentrale Fokus der Forschung liegt dabei auf der wissenschaftlichen Weiterbildung, die vorrangig aus einer hochschuldidaktischen Perspektive betrachtet wird. Dabei geht es zum einen um Formen der Verzahnung von hochschulischem und beruflichem Wissen in Angeboten wissenschaftlicher Weiterbildung sowohl im nationalen als auch im internationalen Kontext. Zum anderen richtet sich der Blick auf die zentralen Akteure in den Lehr-Lernprozessen: Studierende und (Hochschul-)Lehrende.

WiHo-Redaktion: Was ist derzeit Ihr zentrales Forschungsprojekt und welchen gesellschaftlichen Bezug hat es?
Eva Cendon: Das zentrale Forschungsprojekt der Professur ist die wissenschaftliche Begleitung des Bund-Länder-Wettbewerbs „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“. Neben dem Ziel, mehr Durchlässigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung zu schaffen, ist das Besondere des Wettbewerbs, dass er die Perspektive des lebenslangen Lernens ernst nimmt. Anstatt eine vorrangig institutionelle Brille aufzusetzen, werden im Wettbewerb unterschiedliche Zielgruppen des lebenslangen Lernens, ausgehend von ihren Bildungs- und Berufsbiografien, in den Blick genommen. An rund einem Viertel von Deutschlands Hochschulen werden oder wurden im Rahmen des Wettbewerbs neue Themen forciert, neue Angebote und Angebotsformen entwickelt und es wird versucht, adäquate Strukturen des lebenslangen Lernens zu etablieren. Das ist zukunftsorientiert, wirft allerdings auch neue Fragen hinsichtlich der bestehenden Rahmenbedingungen auf.

WiHo-Redaktion: Wie würden Sie das Profil Ihrer Professur mit Blick auf die Lehre beschreiben?
Eva Cendon: Ein zentrales Thema ist Lehren und Lernen mit einer heterogenen Studierendenschaft, also erwachsenen Menschen mit vielfältigen beruflichen und lebensweltlichen Erfahrungen. Dies erfordert einen adäquaten didaktischen Zugang, d. h. entsprechende hochschuldidaktische Formen, die erlauben berufliches und wissenschaftliches Wissen miteinander in Verbindung zu bringen und gleichzeitig zeitliche und örtliche Flexibilität ermöglichen. Inhaltlich ist ein zentraler Bezugspunkt die Didaktik der Erwachsenenbildung, aus der sich Ansatzpunkte sowohl für die wissenschaftliche Weiterbildung als auch für die Hochschuldidaktik speisen.

WiHo-Redaktion: Wenn Sie die freie Wahl hätten: an welcher Universität im Ausland würden Sie gern arbeiten? Warum?
Eva Cendon: Es gibt nicht die eine Universität, die ich interessant finde, aber es gibt einige Ansätze an ausländischen Hochschulen, die ich als besonders inspirierend wahrnehme. Nennenswert ist beispielsweise das Konzept des Work-based Learning, welches eine übergreifende Verknüpfung von beruflichem und hochschulischem Lernen im Rahmen spezifisch zugeschnittener und individualisierter Programme darstellt, wie es beispielsweise an unterschiedlichen angelsächsischen Universitäten entwickelt wird. Das nenne ich hinsichtlich des zuvor genannten Fokus auf Individuen als lebenslang Lernende einen innovativen Ansatz. Dies fordert Hochschulen, Hochschullehrende und Studierende jedoch auch in ihrem Selbstverständnis heraus.

WiHo-Redaktion: Zum Status Quo der WiHo-Forschung in Deutschland: Worin ist sie gut? Was fehlt ihr noch?
Eva Cendon: Deutschland hat sich in Bezug auf die Forschungsaktivitäten zu wissenschaftlicher Weiterbildung und lebenslangem Lernen an Hochschulen insgesamt gut entwickelt, nicht zuletzt auch durch die im Bund-Länder-Wettbewerb beteiligten Projekte, die sehr viel an begleitender Forschungsarbeit leisten. Zudem erlebe ich mehr Beiträge zu wissenschaftlicher Weiterbildung in Zeitschriften mit Peer-Review-Verfahren. Auch entsprechende Call for Papers zum Thema werden mehr. Was mir insgesamt jedoch noch fehlt, ist eine stärkere Verknüpfung der unterschiedlichen Forschungsstränge zu wissenschaftlicher Weiterbildung – einerseits im Hinblick auf die unterschiedlichen Disziplinen und andererseits mit Blick auf die unterschiedlichen Fokusse, sei es Hochschulforschung, Hochschuldidaktik oder Lehr-Lernforschung. Ich denke, das Forschungsfeld würde davon profitieren, wenn die Forschungsaktivitäten statt in Paralleluniversen mehr in vernetzten Zusammenhängen stattfinden würde.