Veränderungen in der Studierendenschaft mit passenden Lehrangeboten begegnen

Carla Bohndick

Carla Bohndick ist Juniorprofessorin für Lehren und Lernen an der Hochschule am Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen (HUL). In ihrer Forschung beschäftigt sie sich vor allem mit Fragen der Passung zwischen Studierenden und ihrer universitären Umwelt, um vor dem Hintergrund sich stetig wandelnder Lehr- und Lernherausforderungen mit neuen Erkenntnissen in die Hochschule wirken zu können.

WiHo-Redaktion: Was ist derzeit Ihr zentrales Forschungsprojekt und welchen gesellschaftlichen Bezug hat es?
Carla Bohndick: Die Passung zwischen Studierenden und ihrer universitären Umwelt ist eine zentrale Frage meiner Forschung und deshalb Gegenstand verschiedener Projekte. In einem Projekt befassen wir uns beispielsweise mit den Grundlagen der Erfassung von Passung. Auch innovative Auswertungsmethoden sind Teil des Projekts. Hier sind noch einige Probleme zu lösen, bevor weitere inhaltliche Fragestellungen bearbeitet werden können.

Das Thema der Passung hat eigentlich immer direkten gesellschaftlichen Bezug und gerade in Bezug auf den Hochschulkontext ist die Frage, ob wir einer heterogenen Studierendenschaft auch passende Angebote machen müssen und wenn ja, wie das in der Umsetzung aussehen kann, hoch relevant.

WiHo-Redaktion: Wie kam es, dass Sie sich mit Wissenschafts- und Hochschulforschung beschäftigt haben? Gab es ein zentrales Ereignis/eine bestimmte Erfahrung?
Carla Bohndick: Ja, hierzu gibt es eine persönliche Erfahrung: Anders als meine Schulzeit hat mir das Studium von Anfang an viel Freude bereitet. Ich habe dann aber bald gemerkt, dass das bei vielen meiner Kommiliton/-innen nicht der Fall ist. Da passte es gut, dass ich Gelegenheit hatte an einer Reihe von Projekten mitzuwirken, bei denen es um die didaktische Gestaltung von Studienangeboten ging. Meine Abschlussarbeit habe ich zum Thema Studienabbruch geschrieben. Und seitdem hat mich das Thema auch nicht mehr losgelassen.

WiHo-Redaktion: Wie würden Sie das Profil Ihrer Professur mit Blick auf die Lehre beschreiben?
Carla Bohndick: Wir haben am Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen einen ganz besonderen Studiengang, den Master Higher Education. Diesen konsekutiven, aber berufsbegleitenden, Studiengang studieren vor allem lehrende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aber auch anderweitig an der Hochschullehre beteiligte Personen. Der Studiengang ist forschungsorientiert und damit beispielsweise nicht mit hochschuldidaktischen Zertifikatsprogrammen zu vergleichen. Und all diese Besonderheiten prägen natürlich das Profil meiner Lehre.

WiHo-Redaktion: Wie generieren Sie neue Seminarinhalte/Vorlesungsthemen?
Carla Bohndick: Bedingt durch die Forschungsorientierung unseres Masters kann ich in der Lehre gut an meine eigene Forschung anknüpfen. So sind beispielsweise die Themen Studienerfolg und Studienabbruch sowohl Teil meiner Forschung als auch eines Moduls des Masterstudiengangs. Wichtig ist aber auch eine Offenheit für neue Fragen und die entsprechende Flexibilität, diese in den Studiengang einzubringen. Und hier muss ich sagen: Auch von den Studierenden selbst kommen häufig gute Ideen für Themen.

WiHo-Redaktion: Wo sehen Sie Deutschland in der WiHo-Forschung im internationalen Vergleich? Was könnten wir von welchen Ländern lernen?
Carla Bohndick: Zwar betonen wir in Deutschland stets den hohen Wert der Interdisziplinarität, denken aber überwiegend noch in der hergebrachten Abgrenzung der Disziplinen. Ich sehe durchaus die Vorteile dieser Einbindung, meine aber, dass wir – wie inzwischen international verbreitet – daran arbeiten sollten, die Grenzen zwischen den Disziplinen zu überwinden. Nur so können wir auch den Anschluss an die internationale Forschung sichern.