Themenblock D: Gestalten – Die Phase des Studienabbruchs

Im Fokus von Themenblock D stand die Frage, was sich nach dem Studienabbruch anschließen könnte: Ein Studienfachwechsel, ein Übergang in das System der beruflichen Bildung oder in den Arbeitsmarkt. Ein solcher Neustart sollte durch institutionelle Maßnahmen bestmöglich begleitet und nicht künstlich verzögert werden. Negative Konsequenzen für die betreffenden Studierenden, aber auch das System Hochschule, können durch einen moderierten Studienabbruch gemildert werden.

Tag 1 | Parallele Workshops 1-3


1 | Themenblock D – Thema: Übergang Ausbildungs- bzw. Arbeitsmarkt I

Ausstieg oder -abbruch? Möglichkeitsräume für die Gestaltung des Übergangs von der Hochschule in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt

Prof. Dr. Maria Kondratjuk & Dr. Dana Bergmann

Studienausstiege, die aufgrund ihrer Prozesshaftigkeit nicht selbstverständlich als Abbrüche bzw. isolierte Ereignisse verstanden werden sollten, können kontingente Bestandteile von identitätsbildenden Prozessen darstellen, bei denen es um subjektive Anschlussfähigkeit und personale Mobilität geht.

Durch die Begegnung und umsichtige Begleitung von Studienausstiegen werden der Hochschulentwicklung verschiedene Möglichkeitsräume eröffnet. Der Umstand, dass es nicht DIE Studienaussteigerin oder DEN Studienaussteiger gibt, erfordert jenseits universeller Lösungen individuelle Antworten auf Fragen nach der Gestaltung von Übergängen. Denn im Übergang vom Hochschulsystem in weitere Berufs- und Bildungsteilsysteme benötigt man sinnvolle und zielgerichtete Beratungs- und Unterstützungsmaßnahmen, denen es gelingt, den Bildungsgehalt gut ausgebildeter Menschen mit Erfahrungen frei zu legen und zu einer identitätsstiftenden beruflichen Integration beizutragen.

Ziel des Workshops ist es, die Frage zu bearbeiten, wie konkrete empirische Befunde zum Studienausstieg in die Hochschulpraxis – als partizipative Hochschulentwicklung – überführt werden können. In diesem Kontext soll vor allem der Ausstieg von Studierenden sowie darauf basierend die Formate von Beratung und Begleitung dieses Übergangs zum Gegenstand des Workshops gemacht werden. 

 

Tag 2 | Parallele Workshops 4-6


4 | Themenblock D – Thema: Konsequenzen eines Studienabbruchs für den Lebenslauf I

Das Dilemma der Verschwendung – Individuelle Kosten-Nutzen-Abwägungen bei Studienzweifeln

Désirée Krüger & Dr. Katrin Ullmann

Im Kontext der Entscheidungsfindung bei Studienzweifeln taucht in Beratungen vielfach der Begriff der ‚Verschwendung‘ auf: Die bereits aufgebrachte Zeit, Energie, Ressourcen oder auch der unter Druck erworbene hohe Bildungsabschluss müssen sich doch gelohnt haben, all die Mühe muss sich doch auszahlen! Die Sorge vor ‚Verschwendung‘ wird zu einem Grund, den einmal gewählten Weg nicht zu verändern – zum Teil trotz erheblicher persönlicher Kosten und wenig Aussicht auf (Studien-)Erfolg.

Die Narration der ‚Verschwendung‘ findet sich bereits in Bezug auf studienqualifizierende Abschlüsse wieder. Die einmal erbrachte Leistung (z.B. das Abitur) soll mit einer adäquaten Folgeentscheidung gewürdigt werden, und verpflichtet die Ratsuchenden vermeintlich zu einem bestimmten biographischen Weg. In Konstrukten wie Scheitern oder Verschwendung steckt die Annahme, dass es die eine, richtige Entscheidung gibt und es die individuelle Lebensleistung ist, genau diese herauszufinden und ihr zielstrebig und ohne Umwege zu folgen. Bildungswege stehen unter dem Eindruck der permanenten Selbstoptimierung im Sinne eines „unternehmerischen Selbst“.

Der Druck, von vornhinein richtigen Entscheidungen zu treffen, um sich im Fall eines Studienwechsels keine zweite falsche Entscheidung zu leisten, spielt bei Studienzweiflerinnen und Studienzweiflern daher oft eine entscheidende Rolle. Sowohl in Beratung als auch in weiteren Aktivitäten zur Enttabuisierung von Studienausstiegen (Stichwort: Fuck-Up-Nights) tragen dem viele Projekte für Studienzweiflerinnen und Studienzweiflern Rechnung.

Der Workshop lädt Studienberaterinnen und Studienberater und Forschende zum Dialog, um anhand von Beispielen aus der Beratungspraxis verschiedene Aspekte der gängigen Narration von ‚Verschwendung‘ unter Studierenden mit Studienzweifel zu reflektieren und Lösungsangebote zu erarbeiten.

 

Tag 2 | Parallele Foren 10-12


10 | Themenblock D – Thema: Konsequenzen eines Studienabbruchs für den Lebenslauf II

Wirkungen eines Studiums ohne Abschluss auf Arbeitsmarktergebnisse und Lebenszufriedenheit

Dr. Francesco Berlingieri
Ko-Autorinnen und -Autoren: Julia Heigle, PD Dr. Friedhelm Pfeiffer, Dr. Holger Stichnoth

Im Forschungsprojekt AKEFS (Analysen zu Kosten und Erträgen von Fachwechsel und Studienabbruch) wurden ausgewählte Ursachen und ökonomische Konsequenzen von Fachwechseln und einem Studium ohne Abschluss aus individueller und fiskalischer Perspektive untersucht. Im Beitrag gibt eine Übersicht der wichtigsten Ergebnisse aus dem AKEFS Projekt. Der Fokus liegt dabei auf den Befunden des zweiten Teilprojekts, in dem die individuellen Wirkungen eines Studiums ohne Abschluss auf Arbeitsmarktergebnisse (Arbeitszeit, Beschäftigung, Berufsprestige, Lohn) und die allgemeine Lebenszufriedenheit untersucht wurden.

Link zur Präsentation


11 | Themenblock D – Thema: Übergang in den Ausbildungs- bzw. Arbeitsmarkt II

Der Einfluss von Beratungsangeboten auf die bildungs- und berufsbezogene Neuorientierung von Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher

Dr. Ulrich Heublein & Christopher Hutzsch

Beratungsangebote gehören zu den wichtigsten Unterstützungsmaßnahmen für abbruchgefährdete Studierende. Neben einer Vielzahl von entsprechenden Angeboten der Hochschulen hat sich in den letzten Jahren auch eine Reihe von Beratungsstellen für Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher außerhalb der Hochschulen etabliert. Dazu zählen u. a. Initiativen im Rahmen des Jobstarter plus-Programms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), spezielle Beratungsmaßnahmen der Kammern oder auch der Agenturen für Arbeit. Diese Entwicklung ging einher mit der Verbreiterung von Beratungsfeldern und Unterstützungsleistungen. Ein Teil der Beratungsinstanzen fokussiert sich auf Informationen und Aufklärung zur beruflichen Ausbildung.

Diese dynamische Entwicklung der Beratungsangebote stellt Fragen nach Funktionalität und Wirksamkeit des entstandenen Beratungsnetzes. Im Vortrag geht es darum, welche Angebote von verschiedenen Gruppen von Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern in Anspruch genommen werden und in welchem Maße die Angebote dazu beitragen, einen Übergang in eine neue bildungs- und berufsbezogene Orientierung ohne gravierende Schwierigkeiten zu ermöglichen. Das Verständnis der Beratung als stabilisierende und entscheidungsoptimierende Instanz beruht dabei zum einen auf den theoretischen Ansätzen von Tinto, in dessen Modell die studienerfolgssichernde akademische und soziale Integration durch entsprechende Vermittlung und Unterstützung gestärkt wird. Zum anderen zeichnen sich Beratungsgespräche potenziell dadurch aus, persönliche Ressourcen der Beratungssuchenden zu erschließen und zu stärken. Die gestärkte eigene Selbstwirksamkeit ermöglicht es, angemessene Entscheidungen zu treffen und zu realisieren.

Der Vortrag will zur Diskussion über adäquate Beratungsangebote für Risikostudierende sowie über eine bessere Erreichbarkeit von Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern für Beratungsangebote beitragen.

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