Themenblock C: Unterstützen – Die Bedeutung von Präventions- und Interventionsmaßnahmen

Hier wurden zentrale Determinanten des Studienerfolgs ebenso diskutiert wie (Früh-)Indikatoren des Studienabbruchs sowie erprobte Interventionsmaßnahmen. Da Studienerfolg auf individueller, institutioneller und sozialer Ebene beeinflusst werden kann, ist die Kenntnis zentraler Determinanten von herausragender Bedeutung, um den Studienerfolg zu unterstützen bzw. den Abbruch durch geeignete Präventionsmaßnahnahmen zu vermeiden.

Inhaltlich wurde im Themenfeld C die Diversität von Studierenden und ihre motivationale Haltung ebenso beleuchtet wie Frühwahrsysteme, die Ausgestaltung der Lehre und die Praktikabilität bzw. Wirksamkeit der Interventions- und Präventionsmaßnahmen.

Tag 1 | Parallele Workshops 1-3


3 | Themenblock C – Thema: Praktikabilität von Maßnahmen

Verhinderung von Studienabbrüchen durch flankierendes Monitoring

Dr. Daniela Stokar von Neuforn und Wadim Reisch

An der Technischen Hochschule Brandenburg (THB) werden kontinuierlich die Gründe für Studienabbrüche für die Entwicklung geeigneter Gegenmaßnahmen ausgewertet. Zielsetzung der THB ist es hierbei, zur Verhinderung von Studienabbrüchen sämtliche Unterstützungsangebote transparent und zugänglich zu gestalten, eine hohe Erreichbarkeit und schnelle Reaktionszeiten zu generieren sowie gleichzeitig ein Monitoringsystem zur kontinuierlichen Bewertung und Verbesserung der Angebote zu entwickeln.

So wurden sämtliche Serviceeinrichtungen für Studieninteressierte und Studierende zusammengefügt. In einem neu gegründeten Hochschulzentrum für Studierendenservice (HZS) vereinen sich das Studierendenmarketing, das Studierendensekretariat, die Prüfungsämter, die Studierendenberatung inklusive der Anrechnungs- und Anerkennungsberatung, der Familien- und Finanzierungsberatung, das „Buddy“ Mentoring Programm sowie der Studienabbruchberatung, dem Alumni Service und dem Career Service. Sämtliche dort angesiedelten Serviceleistungen sind zentral über einen Servicedesk mit einem First- und Second Level Support abrufbar. Der sowohl digital als auch virtuell besetzte Servicedesk garantiert breite Service- sowie schnelle Reaktionszeiten. Bedingt durch die zentrale Zusammenführung der serviceleistenden Institutionen können häufig auftretende Fragen oder Problemstellungen tagesaktuell ausgewertet und in die schnelle Entwicklung geeigneter Maßnahmen einfließen.

So konnten beispielsweise die Bedarfe von Studieninteressierten und Studierenden während des ersten Lockdown im März 2020 sofort in Unterstützungsmaßnahmen der THB einfließen. In diesem Kontext wurden bedarfs- und themenspezifisch Erklärvideos erstellt, Lernmaterial und Informationsveranstaltungen digitalisiert, Konferenzsysteme für die Beratung verfügbar gemacht, Social Media Kanäle breit und zielgruppenspezifisch genutzt und Erkundungstouren virtuell und dialogbasiert umgesetzt werden. Weitere Maßnahmen sollen in Auswertung der Problemsituationen von Studienanfängern und Studierenden situativ entwickelt und umgesetzt werden können.

 

Tag 1 | Parallele Foren 1-3


2 | Themenblock C – Thema: Sicherung des Studienerfolgs spezifischer Studierendengruppen

Die Studienabbruchintention vulnerabler Studierendengruppen in Zeiten der Corona-Pandemie

Dr. Lena M. Zimmer & Dr. Katharina Thies

Vor dem Hintergrund, dass ein Studium auch heute noch nicht für alle Studierenden gleichermaßen einfach zu bewältigen ist und mit Blick auf die besondere Lage der Studierenden in Zeiten der Corona-Pandemie geht der vorliegende Beitrag der Frage nach, ob sich besonders vulnerable Studierendengruppen identifizieren lassen, deren Situation sich im Sommersemester 2020 weiter verschärft hat. Dazu werden die Studienabbruchintentionen vulnerabler Studierendengruppen vor und während der Corona-Pandemie vergleichend analysiert. Insgesamt weisen die Analysen vor allem bei international Studierenden, Studierenden mit Kind und beeinträchtigt Studierenden auf eine erhöhte Studienabbruchintention im Sommersemester 2020 hin, während sich Studierende aus einem nicht-akademischen Elternhaus hinsichtlich ihrer Studienabbruchintention nicht als besonders vulnerabel zeigen.

Im Hinblick auf die Gründe der höheren Abbruchintention zeigt sich, dass internationale Studierende vor allem aufgrund ihrer finanziellen Situation und Studierende mit Kind vor allem aufgrund der Betreuungs- und damit zusammenhängenden Wohnsituation belastet sind, während beeinträchtigt Studierende im Sommersemester 2020 multiple Belastungen zu erleben scheinen. Die Ergebnisse geben differenzierte Hinweise auf potenzielle (Früh-)Indikatoren des Studienabbruchs für spezifische Studierendengruppen und bieten Anhaltspunkte für bedarfsgerechte hochschulpolitische Maßnahmen.

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Hochschulzugehörigkeit internationaler Studierender in der Studieneingangsphase: Bedingungsfaktoren und Implikationen für die akademische und psychologische Adaptation

Dr. Julia Zimmermann

Internationale Studierende sind eine bedeutsame Gruppe an deutschen Hochschulen, die im Vergleich zu deutschen Studierenden besondere Herausforderungen erlebt. Im Rahmen des Projekts „Studienerfolg und Studienabbruch bei Bildungsausländer*innen in Deutschland im Bachelor- und Masterstudium“ (SeSaBa) analysieren der DAAD, das Bayerische Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF) und die Fernuniversität in Hagen anhand eines Studienverlaufspanels die Determinanten des Studienerfolgs internationaler Studierender an deutschen Hochschulen. Dazu wurden über drei Jahre hinweg über 4.500 internationale Bachelor- und Masterstudierende von 125 Hochschulen regelmäßig zu ihrer Studien- und Lebenssituation befragt.

Im Fokus der beiden Vorträge steht die Hochschulzugehörigkeit, deren Rolle zur Vorhersage des Studienerfolgs in verschiedenen sozialwissenschaftlichen Rahmenmodellen betont wird. Der erste Vortrag widmet sich dabei der Bedeutung des Hochschulzugehörigkeitsgefühls für die psychologische und akademische Adaptation international Studierender in Deutschland. Der zweite Vortrag nimmt die sozialen Bedingungsfaktoren des Hochschulzugehörigkeitsgefühls und hierbei insbesondere die Rolle von Freizeitangeboten in den Blick.

Im Anschluss an die Vorträge werden Implikationen für die Umsetzung von Interventionen zur Förderung der Hochschulzugehörigkeit mit dem Ziel einer Steigerung von Studienerfolg und Wohlbefinden internationaler Studierender in Deutschland diskutiert.

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Tag 1 | Parallele Foren 1-3


3 | Themenblock C – Thema: Praktikabilität von Maßnahmen II

Verhaltensökonomische Maßnahmen zur Sicherung des Studienerfolgs

Prof. Dr. Robert Jäckle & Prof. Dr. Oliver Himmler
Ko-Autoren: Raphael Brade, Lars Behlen

Das Projekt VStud (Verhaltensökonomische Maßnahmen zur Sicherung des Studienerfolgs) basiert auf der Beobachtung, dass fehlender Studienerfolg nicht immer auf rationalen und voll informierten Entscheidungen beruht. Stattdessen resultieren lange Studiendauern und Studienabbrüche häufig aus psychologischen Faktoren, wie z. B. Prokrastination, mangelnde Aufmerksamkeit oder einer falschen Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Im Rahmen von VStud wurden drei Maßnahmen entwickelt und evaluiert, die solchen Faktoren entgegenwirken.

Der erste Vortrag des Forums wird sich mit den Vorteilen und Gründen kausaler Evaluationen befassen und zeigen, warum randomisierte Feldexperimente dabei den Goldstandard darstellen. Empirisch evaluiert werden sollten idealerweise alle Veränderungen von Rahmenbedingungen oder Abläufen des Studiums (z. B. Beratungsangebote oder Prüfungsorganisation) sowie sämtliche inhaltliche Änderungen des Studiums (z. B. Veränderungen der Studien- oder Prüfungsordnung). Darüber hinaus soll diskutiert werden, welche Voraussetzungen für den Einsatz kausaler Evaluationen benötigt werden und warum es vorteilhaft wäre, an den Hochschulen Institutionen zu schaffen, die die wissenschaftliche Begleitung von Veränderungen koordinieren und Forschenden und Lehrenden beratend zur Seite stehen.

Im zweiten Vortrag werden schließlich drei konkrete Vorschläge zur Verbesserung des Studienerfolgs aus dem Projekt VStud vorgestellt und diskutiert. Es wird erörtert, wie 1) freiwillige Selbstverpflichtungen bzw. Zielvereinbarungen zur Einhaltung des Studienplans sowie Erinnerungsschreiben dazu genutzt werden können, den kurz- und langfristigen Studienerfolg zu erhöhen, 2) relative Leistungsvergleiche bzgl. der erreichten ECTS-Punkte Studierende dazu motivieren können, ihre Studienleistungen zu verbessern und 3) ob automatische Prüfungsanmeldungen dazu geeignet sind, die Zahl der angemeldeten und bestandenen Prüfungen zu erhöhen.

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Studienerfolgsmanagement an der HS Mainz

Julia Schneider und Kathrin Dupré-Hock

Das Studienerfolgsmanagement der Hochschule Mainz bündelt Maßnahmen, um Studierende zu unterstützen, deren Studienerfolg gefährdet ist und um Lösungswege für einen erfolgreichen weiteren Studienverlauf aufzuzeigen. Hierfür werden Studienverlaufsmonitoring, Studienberatung und der Ausbau fachlicher und überfachlicher Fördermaßnahmen an den Fachbereichen Technik und Wirtschaft der Hochschule Mainz systematisch miteinander verknüpft.

Mittels eines Frühwarnsystems werden zunächst anhand anonymisierter Prüfungs- oder Studienverlaufsdaten Risikowahrscheinlichkeiten zu einzelnen Studienverläufen berechnet, um gefährdete Studienverläufe frühzeitig zu identifizieren. Studierende mit auffälligen Ergebnissen erhalten eine Einladung zu einem freiwilligen Beratungsgespräch, um Faktoren, die einem Studienerfolg entgegenstehen, zu analysieren und Möglichkeiten zu erarbeiten, die einen erfolgreichen Abschluss wahrscheinlicher machen. Dabei wird auch auf weitere Beratungs- und Unterstützungsangebote der Hochschule Mainz verwiesen, sodass Studierende selbst eine geeignete Auswahl der Angebote treffen können.

Der regelmäßige Austausch mit den Studiengangsleitungen und die Vernetzung mit weiteren beratenden Einheiten erweitern zudem sukzessive die Beratungslandschaft und das Unterstützungsangebot für Studierende aus dem In- und Ausland.

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Tag 1 | Parallele Foren 4-6


5 | Themenblock C – Thema: Frühindikatoren eines Studienabbruchs

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?! Geeignete Maßnahmen nach Früherkennung abbruchgefährdeter Studierender

Prof. Dr. Kerstin Schneider
Ko-Autoren: Dr. Simon Görtz, Dr. Johannes Berens, Axel Schoemaker

Im BMBF-geförderten Projekt FragSte (Früherkennung abbruchgefährdeter Studierender und experimentelle Studien zur Wirksamkeit von Maßnahmen) wurde ein Frühwarnsystem zur Identifikation drohender Studienabbrüche im Bachelor-Studium entwickelt. Die abbruchgefährdeten Studierenden wurden durch ein automatisiertes Feedback angesprochen und die Auswirkungen eines Feedbacks bei Früherkennung auf Studienabbrüche experimentell getestet.

In dem Workshop wird ein Überblick über FragSte gegeben. Es werden Frühindikatoren studentischer Leistung und die geeignete Ansprache der Studierenden diskutiert. Als Lösungsvorschläge werden institutionelle Veränderungen angesprochen. Auch kritische Themen wie inaktive Studierende und Scheinstudierende finden eine Berücksichtigung.

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PASSt - Predictive Analytics Services für Studienerfolgsmanagement

Dr. Karl Ledermüller
Ko-Autorinnen und -Autoren: Dr. Shabnam Tauböck; Julia Spörk, Robert Krikawa, Kurt Rosivatz, Günther Gruber, Gerhard Mühlbacher

Das vom österreichischen Bundesbildungsministerium unterstützte Projekt PASSt (Predictive Analytics Services für Studienerfolgsmanagement) zielt darauf ab, Studienerfolg bzw. Dropout-Risiken zu prognostizieren und die Auswirkung unterschiedlicher Parametervariationen in Form von Szenarien zu simulieren. Hierfür werden institutionelle, individuelle und soziale Variablen inkludiert und optional um Prozessdaten aus Online-Lernumgebungen angereichert.

Zur Prognose von Studienerfolg oder der Schätzung von individuellen Dropout-Risiken werden generalized linear models herangezogen. Darüber hinaus sollen mit einem agentenbasierten Simulationsmodell Studierende und deren Verhalten abgebildet werden, um durch individuelle Entscheidungen auf der Mikroebene ein hochkomplexes dynamisches System zu erzeugen. Durch Experimente an diesem simulierten System können Auswirkungen von Veränderungen beobachtet werden. Historische Daten dienen zur Verifikation des entwickelten Modells, das möglichst viele der vorhandenen Informationen, wie soziale und individuelle Faktoren und Aufbau der Curricula berücksichtigen soll.

Das Projekt ermöglicht unterschiedliche Anwendungsfelder im Studienerfolgsmanagement. Im Sinne eines praktikablen und entwicklungsorientierten Ansatzes wird eine Dashboard-Lösung mit einfacher Anwendung und hoher Skalierbarkeit angestrebt. Dieses Instrument soll sowohl der Universitätsleitung eine steuerungsrelevante Gesamtsicht bieten, als auch einzelnen Betroffenen (Studierenden, Studienverantwortlichen) Optimierungsmöglichkeiten für die jeweilige Fragestellung aufzeigen.

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Tag 2 | Parallele Workshops 4-6


6 | Themenblock C – Thema: Praktikabilität von Maßnahmen III

Studienabbruch und -erfolg nach der Pandemie. Sind die analytischen Modelle und hochschulischen Maßnahmen noch angemessen?

Frank Niedermeier, Prof. Philipp Pohlenz, Sophia Albrecht, Thi Nguyen & Dominique Last

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Erfahrungen haben die Diskussion über neue Formen des Studierens angeheizt. Wie wird das Studium in einer Post-Covid-Welt aussehen? Wie viel Präsenz wird es noch geben und wie wird diese mit den Online-Formaten verzahnt? Die Antworten darauf sind derzeit noch offen. Umfrageergebnisse zeigen jedoch, dass sowohl seitens der Studierenden sowie seitens der Lehrenden eine verstärkte Flexibilisierung und Individualisierung gewünscht wird. Online Lehre, Blended-Learning und hybride Formate versprechen diesen Wunsch zu bedienen.

Der Workshop beschäftigt sich mit Determinanten des Studienerfolgs aus einer theoretischen sowie praktischen Perspektive und adressiert dabei folgende Fragen: 1) Müssen vorhandene Modelle und Determinanten des Studienerfolgs/-abbruchs angepasst werden und wie? 2) Wie kann den neuen Herausforderungen in der Praxis entgegengewirkt werden?

Die Ergebnisse der Evaluation von Studium und Lehre während der digitalen Semester in der Pandemiezeit an der Universität Potsdam unterstreichen insbesondere Schwierigkeiten im Online-Studium in den Bereichen der Kommunikation, des Austauschs zwischen und unter Studierenden und Lehrenden, des Feedbacks sowie der Betreuung.

Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern werden zunächst die Ergebnisse der Evaluation im Abgleich mit anderen Ergebnissen aus In- und Ausland vorgestellt. Daraus abgeleitet werden Vorschläge für die Anpassung von Studienerfolgsmodellen für die Diskussion skizziert.