Themenblock B: Beginnen – Die Phase des Studieneingangs

Die Gestaltung der Studieneingangsphase – sowohl mit curricularen als auch extracurricularen Maßnahmen und Formaten – steht im Vordergrund etwa bei der Frage, ob und wie die Diversität der Studierenden in der Lehre berücksichtigt wird. Im Rahmen des Themenblocks B wurde auch die Rolle von Eingangstests thematisiert, die nach der Hochschulzulassung zu Diagnosezwecken eingesetzt werden.

Tag 1 | Parallele Workshops 1-3


2 | Themenblock B – Thema: Gestaltung der Studieneingangsphase I

Nur wer gut startet, kann auch gut ankommen! – Studieneingangsphase begleiten vor, während und nach der Pandemie

Prof. Dr. Verena Klomann, Prof. Dr. Angelika Schmidt-Koddenberg, Carolin Wohlert & Anna Zeien

Schon vor der Corona-Pandemie zeigte sich zunehmend der Bedarf, die Studieneingangsphase konzeptionell stärker in den Blick zu nehmen, um den Studienerfolg zu fördern. Diesem begegnen Hochschulen mit vielfältigen Konzepten.

In einem ersten Impulsvortrag verdeutlichen Verena Klomann und Angelika Schmidt-Koddenberg am Beispiel des Studiengangs Soziale Arbeit der Katholischen Hochschule NRW, dass die zunehmende Diversität der Studierendenschaft Potenziale und Herausforderungen für Studium und Lehre mit sich bringt.

In einem zweiten Impulsvortrag stellen die beiden Transferreferentinnen des Pilotprojektes FIGEST, Carolin Wohlert und Anna Zeien, die forschungsbasiert erhobenen Bedarfe von First Generation Studierenden in der Studieneingangsphase des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule NRW vor. Es wird ein Einblick in die hieraus konzipierten Reflexions- und Unterstützungsangebote für Studienstarter und Studienstarterinnen gegeben. Dabei gehen sie vor allem auf die Veränderungen der Bedarfe und konzeptionellen Anpassungen der Angebote für die digitalen Corona-Semester ein.

Der Workshop eröffnet Hochschulakteuren und Hochschulakteurinnen die Möglichkeit, sich zu ihren Erfahrungen und Konzepten vor und während der Corona-Pandemie auszutauschen. Gleichzeitig wird Raum geboten, diese Erfahrungen zu etwas Neuem („New Normal“) zu verknüpfen.

 

Tag 1 | Parallele Foren 1-3


1 | Themenblock B – Thema: Die Bedeutung der Studieneingangsphase

Studierende für alternative Studienmodelle motivieren: Herausforderungen in der Eingangsphase des Mathematikstudiums

Prof. Dr. Michael Junk

Der Fachbereich Mathematik und Statistik an der Universität Konstanz bietet seit dem Wintersemester 2016/17 eine sogenannte Individualisierte Studieneingangsphase (ISE) als alternatives Studienmodell für Bachelorstudierende der Mathematik-Programme an. In diesem Projekt können die Studierenden eine der beiden regulären Grundvorlesungen ins zweite Studienjahr verschieben und durch speziell geschaffene Unterstützungsangebote ersetzen. Bis zu zwei erfolgreich absolvierte Studiensemester in der ISE werden dabei nicht auf die Regelstudienzeit angerechnet und schaffen dadurch zeitliche Entlastung.

Da die Studierenden in ihrem neuen Lernumfeld selbst nur schwer einschätzen können, ob das Angebot für sie relevant ist, wurden verschiedene Maßnahmen ergriffen: Zum einen ist ein flexibles Wechseln in die ISE jederzeit im ersten Semester möglich. Weiter wird den Studierenden in den regulären Anfängervorlesungen wöchentlich eine Aufgabe mit besonderem Fokus auf typische Anfängerschwierigkeiten gestellt. Durch diesen Selbsttest können die Studierenden entscheiden, ob ein Besuch der zentralen ISE-Veranstaltung „Einführung in das mathematische Arbeiten“ für sie nützlich ist. Nach etwa einem Monat Semesterbetrieb hilft ein verpflichtender Orientierungstest mit anschließender persönlicher Besprechung ebenfalls bei der Entscheidung zwischen ISE und traditionellem Studienmodell.

Von den teilnehmenden Studierenden gibt es durchweg positive Rückmeldungen zur ISE. Es fällt aber auch auf, dass sich viele Studierende trotz deutlicher Schwierigkeiten nicht zur Teilnahme motivieren lassen – vielleicht weil ein Abweichen vom traditionellen Studienverlauf als ein Zeichen von Schwäche gewertet wird und daher negativ besetzt ist.

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Interdisziplinäre Projekte im Orientierungsstudium

Lennart Osterhus
Ko-Autorinnen: Uta Riedel, Anne Bunde, Siska Simon

An der Technischen Universität Hamburg (TUHH) wird seit dem Wintersemester 2019/20 ein zweisemestriges Orientierungsstudium angeboten. Neben Modulen wie Berufsfelderkundung, Studienorientierung und -reflexion sowie Mathematik ist eine interdisziplinäre Projektarbeit im Curriculum verankert.

Die Aufgaben der interdisziplinären Projektarbeit behandeln fiktive, aber realistische Szenarien und sind komplex. Sie fordern unterschiedliche Kompetenzen der Studierenden und werden daher in Gruppen bearbeitet. Die Teams werden über das Semester hinweg von einer Expertengruppe, bestehend aus Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedener Institute, sowie Tutorinnen und Tutoren begleitet. Bei gemeinsamen Besprechungen können die Studierenden hier bereits Einblick ins Studium und den Universitätsalltag erhalten.

Grundsätzlich sind die Themenstellungen so konzipiert, dass bis zum Ende der Vorlesungszeit ein funktionsfähiger Prototyp konzipiert und gebaut werden kann. Um das zu erreichen, gibt es Meilensteintreffen, bei denen die Projektteams ihre Zwischenergebnisse präsentieren und Feedback erhalten. Am Ende der Vorlesungszeit findet eine öffentliche Abschlussveranstaltung statt, bei der die verschiedenen Teams ihre Ergebnisse präsentieren. Eine Jury, bestehend aus Professorinnen und Professoren, Wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Vertreterinnen und Vertretern aus der Wirtschaft bewertet die finalen Prototypen. Das Team mit dem überzeugendsten Gesamtpaket aus Präsentation, Kreativität und Funktionstüchtigkeit wird zum Sieger erklärt.

Evaluationen haben gezeigt, dass die Studierenden großen Spaß an der Projektarbeit haben. Es hat einen maßgeblichen Einfluss darauf, aktiv am Studiengeschehen teilzunehmen. Als Gruppe an einer gemeinsamen Aufgabenstellung zu arbeiten weckt Pflichtbewusstsein und führt dazu, dass die Studierenden ein Verantwortungsgefühl entwickeln. Der Projektabschluss vor einer Jury, bei dem auch Vertreterinnen und Vertreter aus dem Präsidium anwesend sind, weckt darüber hinaus Ehrgeiz.

Die Studierenden können sich in der thematisch breit aufgestellten Projektarbeit schon früh ausprobieren und fachliche Präferenzen entwickeln. Die Erkenntnis eine so komplexe Aufgabenstellung so früh im Studium schon erfolgreich abgeschlossen zu haben stärkt zudem das Selbstwertgefühl.

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Tag 1 | Parallele Foren 4-6


6 | Themenblock B – Thema: Studieneingangstests

Studieneingangsdiagnostik zur Vorhersage des Studienerfolgs in den Wirtschaftswissenschaften mittels eines validierten Tests

Prof. Dr. Olga Zlatkin-Troitschanskaia
Ko-Autorinnen: Carla Kühling-Thees, Jasmin Reichert-Schlax

Das studienbezogene domänenspezifische Vorwissen und die allgemeinen intellektuellen Fähigkeiten (AIF) sind nach dem aktuellen Forschungsstand wesentliche Einflussfaktoren des Wissenserwerbs im Studium. Eine valide Erfassung der Studieneingangskompetenzen liefert verlässliche Informationen für die Hochschulpraxis und ermöglicht eine effektive Unterstützung Studierender. Obgleich zur Validität von Studieneingangstests keine einheitliche Befundlage vorliegt, ist die Notwendigkeit einer Studieneingangsdiagnostik aufgrund der hohen Studienabbruchquote innerhalb des ersten Studienjahres evident. Die vorliegende Studie zeigt, inwiefern ein validierter fachbezogener Studieneingangstest in der Lage ist, Fachwissen von wirtschaftswissenschaftlichen Studierenden sowie den Studienabbruch nach einem Studienjahr signifikant vorherzusagen, auch unter Kontrolle von AIF (prognostische Validität).

Die Ergebnisse zeigen, dass der validierte Eingangstest die Studienleistungen sowie den Abbruch des wirtschaftlichen Studiums am Ende des ersten Studienjahres bedeutsam vorhersagen kann und die AIF als etablierte Studieneingangskriterien wesentlich ergänzen kann. Durch die valide und zuverlässige Erfassung der Eingangskompetenzen der Studierenden kann eine bestmögliche Passung zwischen den Voraussetzungen der Studienanfänger und den Inhalten und Anforderungen der wirtschaftlichen Studiengänge erreicht und effektive Unterstützungsangebote passgenau angeboten werden.

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Drei Wege zum Erfolg – die Studieneingangsphase an der Hochschule Karlsruhe

Dr. Anna Hirschmüller & Thomas Brunner

Die Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft bietet ihren Erstsemestern ein dreistufiges Studienmodell für einen individuellen Einstieg in das ingenieurwissenschaftlich-technische Studium an. Der präventive Fokus dieses Modells zeigt sich im Wechsel von diagnostischen und intervenierenden Phasen über die gesamte Studieneingangsphase hinweg, wodurch das Studienmodell wichtige Funktionen eines Frühwarnsystems übernimmt. Die einzelnen Komponenten des Modells werden im Hinblick auf Qualität, Wirkung und Studienverbleibsfaktoren kontinuierlich evaluiert und weiterentwickelt.

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Tag 2 | Parallele Workshops 4-6


5 | Themenblock B – Thema: Gestaltung der Studieneingangsphase II

Aktivierende Lehrmethoden in Präsenz und Live – Online – Ein Schnupper-Workshop zur praktischen Umsetzung und Wirksamkeit von Just-in-Time Teaching und Peer Instruction

Prof. Dr. Claudia Schäfle
Ko-Autorin und -Autor: Prof. Dr. Silke Stanzel, Prof. Dr. Elmar Junker

Just-in-Time-Teaching (JiTT) und Peer Instruction (PI) als aktivierende Lehrmethoden sind in den USA an vielen Universitäten seit langem Standard und erzielen wissenschaftlich nachgewiesen bessere Lernergebnisse. Kernstück der Methoden ist, dass die Studierenden stärker an der Lehrveranstaltung beteiligt sind. Durch gezielte Vorbereitung und Online-Tests, in denen die Studierenden auch eigene Fragen formulieren, wird die gemeinsame Präsenzzeit schwerpunktmäßig für die Schwierigkeiten des Themas durch Selbsterarbeiten und Diskutieren herausfordernder Fragestellungen im Team verwendet.

An der TH Rosenheim werden diese Lehrmethoden seit über acht Jahren in ingenieurwissenschaftlichen Grundlagenfächern (Physik, Mathematik) eingesetzt, an das bayrische HAW-System angepasst und weiterentwickelt, auf andere Fächer ausgeweitet und ihre Wirksamkeit kontinuierlich untersucht. In der aktuellen Situation zeigt sich, dass JiTT und PI auch gewinnbringend online eingesetzt werden können.
Im Rahmen von Wirksamkeitsuntersuchungen konnte gezeigt werden, dass Studierende in Lehrveranstaltungen mit diesen aktivierenden Lehrformen im Vergleich zu traditioneller Lehre im Mittel einen signifikant höheren Lernzuwachs erreichen und der Anteil der bestandenen Erstprüfungen in Physik um 16 % höher ist. Darüber hinaus ergibt sich eine sehr hohe Zufriedenheit bei Studierenden und Lehrenden.

Im Workshop erfahren Sie als Teilnehmende, wie JiTT und PI prinzipiell funktionieren, Sie können sich ein Stück weit in die Rolle der Lernenden hineinversetzen und selbst erleben, wie sich diese Lehrmethoden in der Praxis Live-Online anfühlen.

 

Tag 2 | Parallele Foren 7-9


9 | Themenblock B – Thema: Gestaltung der Studieneingangsphase III

Eine längsschnittliche Betrachtung von Motivationsregulation und Prokrastinationsverhalten bei Studierenden

Lisa Bäulke

Prokrastination—ein irrationaler Handlungsaufschub—ist ein weit verbreitetes Phänomen im akademischen Kontext. Es hat beträchtliche Konsequenzen für ein erfolgreiches Lernen und langfristig auf den Studienerfolg. Folglich sollte Motivationsregulation—d.h. beabsichtigte Aktivitäten zur Initiierung, Aufrechterhaltung, oder Verbesserung der eigenen Motivation – helfen, Prokrastination zu überwinden und sich somit günstig auf den Studienerfolg auswirken. Jedoch wurde bislang nicht untersucht, wie Prokrastination und Motivationsregulation in spezifischen Lernsituationen zusammenspielen. Da sowohl akademische Prokrastination als auch Motivationsregulation zeit- sowie situationsspezifisch schwanken können, wurden die Zusammenhänge dieser Konstrukte sowohl auf der Ebene der Persönlichkeit (Trait-Ebene) und auf Ebene des aktuellen Erlebens (State-Ebene) betrachtet.

Um diese Effekte genauer zu untersuchen, wurden im Projekt ProkRASt zwei längsschnittliche Studien durchgeführt. Die Ergebnisse von Wachstumskurvenmodellen zeigten, dass akademisches Prokrastinationsverhalten zwischen Personen variiert, während der Prüfungsphase abnimmt und durch die Verwendung gut passender Motivationsregulationsstrategien reduziert werden kann. Insbesondere waren sowohl Trait- als auch State- Strategiepassung negativ mit akademischem Prokrastinationsverhalten assoziiert, während dies bei der bloßen Strategienutzung nicht der Fall war. Insgesamt weisen die Ergebnisse auf ein erhöhtes Prokrastinationsrisiko bei einer geringen Passung von Strategien zur Motivationsregulation hin und verdeutlichen die Wichtigkeit von Motivationsregulation für ein erfolgreiches Studieren. Aus den Erkenntnissen lässt sich weiterhin festhalten, dass Studierende von einer gezielten Unterstützung — insbesondere hinsichtlich der Erweiterung von Kompetenzen eines passenden Einsatzes von Regulationsstrategien zu verschiedenen motivationalen Problemsituationen — profitieren können. Dies legt nahe, dass in Interventionen zu akademischem Prokrastinationsverhalten auf Möglichkeiten zur Motivationsregulation eingegangen und Wissen zur Eignung von Motivationsregulationsstrategien zur Überwindung spezifischer motivationaler Probleme beim Lernen vermittelt werden sollte, um langfristig den Studienerfolg zu erhöhen.

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Wenn der Studienstart zum Erlebnis wird. Entwicklung und Evaluation des Studienassistenzsystems der TU Dresden

Dr. Helge Fischer

der es ganz anders zugeht als in der Schule. Studienregularien, Studierfähigkeit oder Gremienarbeit sind nur einige Dinge, die sie neben dem eigentlichen Fachstudium lernen müssen. An dieser Stelle setzt das Studienassistenzsystem gOPAL an. Mit gOPAL wird an der TU Dresden ein Online-Dienst für Studierende in der Studieneingangsphase aus MINT- und Lehramtsstudiengängen etabliert. Durch gOPAL erhalten Studierende innerhalb der Studieneingangsphase kontinuierlich relevante Informationen zu Studienablauf, Fachinhalten, Studienstrategien sowie Unterstützungsangeboten an der TU Dresden. Die motivationsförderliche Gestaltung des Angebotes wird durch Gamifizierung erreicht. Die Nutzung von gOPAL soll den Studierenden Freude bereiten und sie quasi nebenbei für studienrelevante Themen jenseits der Theorie des gewählten Fachgebietes sensibilisieren. Egal ob am Schreibtisch oder unterwegs, mit gOPAL erhalten Studienanfängerinnen und Studienanfänger in etwa 50 Lern- und Spielsequenzen hilfreiche Tipps und Tricks, die den Studienstart erleichtern. Dabei sind die Themen zugeschnitten auf die Bedürfnisse der im Pilotprojekt beteiligten Fachbereiche.
Im Beitrag werden Systemaufbau, Entwicklungsprozess und Evaluationsbefunde vorgestellt.

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