Symposium des Verbundprojekts ReSt@MINT: „Resilienz im Hochschulkontext“

Resilienz

Jeder zweite Studierende läuft Gefahr bereits im ersten Semester aufgrund des Erlebens von privaten und akademischen Rückschlägen eine Minderung in der Bindung zum Studium zu erleben. Viele Unternehmen beschäftigen sich bereits mit dem psychischen Wohlbefinden von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Das Verbundprojekt „Resilienz und Studienerfolg in MINT-Fächern“ (ReSt@MINT) holt die Thematik der Resilienz nun in die Vorlesungssäle.

Am 23. Juli 2020 fand das virtuelle Symposium zum Thema „Resilienz im Hochschulkontext“ statt. Neben einer Keynote von Frau Prof. Michaéla Schippers zum Thema „From shattered goals to resilience during Covid-19“ stellte das Projekt den aktuellen Stand seiner Forschungsergebnisse vor. In folgendem Beitrag werden die Ergebnisse des Symposiums zusammengefasst.

Im Rahmen der im Februar 2016 veröffentlichten Förderrichtlinie „Studienerfolg und Studienabbruch“ des Bundesforschungsministeriums untersucht das Verbundprojekt ReSt@MINT, inwieweit sich Resilienz und Studienerfolge gegenseitig beeinflussen. Das Ziel des Projekts ist es, durch eine qualitative Vor- und einer quantitativen Hauptstudie gesicherte Daten über die Resilienz im Hochschulkontext zu gewinnen um somit einen Überblick über das Belastungsempfinden von Studierenden zu generieren. Mit dem Symposium sollten die wichtigsten Projektergebnisse einer Fachöffentlichkeit – mehr als 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich zu diesem virtuellen Treffen  eingefunden – vorgestellt und anschließend mit den Praxispartnern des Vorhabens aus den Hochschulen diskutiert werden. „Die Motivation in den Hochschulen ist hoch, in diesem Bereich etwas zu bewegen“, berichtete die Projektleiterin und Organisatorin des Symposiums Professorin Dr. Hofmann vom Bayerischen Staatsinstitut für Hochschulforschung und Hochschulplanung in ihrem Begrüßungsvortrag.

Knapp 55 Prozent der Studierenden teilten mit, dass sie während ihres ersten Semesters außergewöhnliche und einschneidende Belastungen, d.h. einen Rückschlag, erlebten – 21 Prozent im privaten Umfeld, 15 Prozent im privaten und akademischen Kontext und 19 Prozent hauptsächlich im akademischen Umfeld. Resilienz ist ein entscheidender Faktor, wie mit einem Rückschlag umgegangen wird. Ein derartiges Negativerlebnis kann Studierende aus ihrem Alltagsempfinden herausreißen und sie aus dem Gleichgewicht bringen. Dabei stehen laut der empirischen Feldstudie eine niedrige Resilienz und ein geringes akademisches Commitment im Zusammenhang. Ob ein Student oder eine Studentin zu Beginn des Studiums eine mindere Resilienzfähigkeit besitzt, sagt jedoch wenig über die Entwicklung des Studienerfolgs in den nächsten Semestern aus. Studienabbruchentscheidungen werden in der Regel zwischen dem ersten und dem dritten Semester getroffen. Dieser Zeitraum eignet sich daher für die Durchführung von Resilienzmaßnahmen in besonderem Maße – also für Interventionen, welche die (akademische) Resilienz der Studierenden erhöhen.

„Als besonders belastend nehmen die Studierenden fehlende Transparenz bei der Leistungsbewertung sowie ausbleibendes Feedback wahr“, erklärte Projektmitarbeiterin Daniela Datzer, Doktorandin am Institut für Leadership und Organisation an der LMU München. Das Symposium verdeutlichte zudem, dass psychisches Wohlbefinden und die Befriedigung psychologischer Grundbedürfnisse die Resilienzfähigkeit unterstützen können. Die quantitative Längsschnittstudie zeigt auf, dass Studierende im Verlauf des Studiums resilienter wurden, wenn bereits zu Studienbeginn auf deren Bedürfnisse eingegangen wurde. Im Hochschulkontext kann Einfluss auf die Bedürfnisse der Autonomie, der sozialen Eingebundenheit und der Kompetenz genommen werden, um Angebote zu generieren. Orientierungsphasen, Mentorenprogramme, Studenten-Monitoring und eine offene Kommunikation vermitteln den Studierenden ein Gefühl von Fairness, Transparenz und Vorhersagbarkeit des Studiums, die wiederum Kontrollüberzeugungen stärken. Das vorgestellte Projektergebnis verdeutlicht, dass Hochschulen so vermehrt auf die Bedürfnisse Studierender zu Studienbeginn eingehen sollten, um das psychische Wohlbefinden, die Resilienz und die Bindung zur Hochschule zu steigern. Auch mit Blick auf Covid-19 wurde innerhalb  der Befragung festgestellt, dass Studierende mit einer höheren Resilienz eine geringere psychische Belastung erfahren. Die Befragung der Studierenden fand zu Beginn der Pandemie (Mai/Juni 2020) statt und eruierte Daten zur empfundenen Flexibilität, zum erlebten Stress und dem Unsicherheitsempfinden. Weitere Datenpunkte im Verlauf der Pandemie (nicht Gegenstand des aktuellen ReSt@MINT Projekts) versprächen hier relevante Einblicke hinsichtlich des Umgangs mit Bedrohungslagen dieser Art im akademischen Bildungskontext.

Das Symposium endete mit einer Diskussion möglicher Interventionsmaßnahmen. Aufbauend auf den Ergebnissen dieser Debatte sowie auf der Grundlage der Forschungsergebnisse soll ein Interventionskonzept mit Handlungsempfehlungen erstellt werden. Dieses Interventionskonzept soll zukünftig im Rahmen der Resilienzförderung an Hochschulen eingesetzt werden. Es wird in Module unterteilt sein, sodass die Hochschulen flexibel Maßnahmen aus diesem Baukasten auswählen können. Zudem stehen die Entwicklung eines Trainings-Leitfadens für Resilienz-Workshops sowie eines Interventions-Übungshefts auf dem Plan. 

Weitere Informationen zu dem virtuellen Symposium, wie z. B. ein Mitschnitt des Begrüßungs­vortrags von Professorin Hofmann oder des Vortrags zum Verbundprojekt ReSt@MINT, stehen auf der Website des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung zur Verfügung. Dort finden sich auch zwei Podcasts zum Thema „Resilienz und Studienerfolg“.