Eine Brücke in den Hörsaal bauen: Wenn Schule und Hochschule kooperieren (cosh)

Prof. Dr. Klaus Dürrschnabel, Hochschule Karlsruhe & Nathalie Weber, Lessing-Gymnasium Karlsruhe

Das Bildungssystem zur Erlangung einer Hochschulzugangsberechtigung in Baden Württemberg ist komplex und vielfältig. Neben dem klassischen Weg über das allgemeinbildende Gymnasium gibt es u.a. Wege über die Beruflichen Gymnasien und Berufskollegs in verschiedenen Ausprägungen. In Baden-Württemberg werden nur knapp 50% der Hochschulzugangsberechtigungen über das allgemeinbildende Gymnasium erworben, mehr als die Hälfte der Hochschulzugangsberechtigungen kommt aus dem Bereich der Beruflichen Schulen. Gleichzeitig sind die Studienanfängerquoten auf über 50% eines Jahrgangs gestiegen. Leider geht diese Entwicklung mit gesteigerten Studienabbrüchen gerade im WiMINT-Bereich (Wirtschaft und MINT) einher. Das DZHW (Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung) hat in diversen Studien festgestellt, dass insbesondere Leistungsprobleme gerade in Mathematik für den Studienabbruch verantwortlich sind. Gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Schule und Hochschule nützen niemandem. Vielmehr ist eine Passung der Schnittstelle, auf welche die Schulen hinarbeiten und die Hochschulen aufbauen, vordringlich. Und genau zu diesem Zweck bildete sich schon 2002 in Baden-Württemberg die Arbeitsgruppe cosh – Cooperation Schule Hochschule. Diese Arbeitsgruppe besteht aus Lehrern und Hochschuldozenten, welche den Wunsch haben, den Übergang von der Schule zur Hochschule zu glätten. Dies geschieht einerseits durch Jahrestagungen, an welchen Kolleginnen und Kollegen aus dem Schul- und Hochschulbereich sich treffen und Informationen austauschen und diskutieren. Zusätzlich gibt es ein paritätisch besetztes Kernteam aus Schule und Hochschule, das unterjährig Aktivitäten vorantreibt.

Nach mehrjährigen Diskussionen stellte die AG cosh einen Konsens, den Mindestanforderungskatalog, für die Beschreibung über die gewünschten Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen für die Schnittstelle her. Dabei werden alle an der Schnittstelle Beteiligten in die Pflicht genommen:

  • Die Schule ermöglicht es den Schülern, die für ein WiMINT-Studium benötigten Fertigkeiten und Kompetenzen zu erwerben.
  • Die Hochschule nimmt diesen Konsens – und nicht mehr – als Basis für die Studienanfänger.
  • Die Studienanfänger sorgen dafür, dass sie zu Beginn des Studiums diese Anforderungen erfüllen.
  • Die Politik fördert flächendeckend Maßnahmen, Defizite möglichst rasch zu beseitigen.

Im Lauf der Jahre hat die AG cosh folgende Erfolge erzielt:

  • In den Bildungsplankommissionen insbesondere der Beruflichen Schulen ist es inzwischen selbstverständlich, Hochschullehrer der cosh-Gruppe mit beratender Stimme einzubeziehen.
  • Dadurch konnten die vielfältigen Bildungspläne vereinheitlicht werden, sodass die Hochschulen auf einer einheitlichen Basis aufbauen können.
  • Erhöhung der Wochenstunden im Fach Mathematik an den Beruflichen Schulen.
  • Am Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) werden zurzeit Fortbildungsmaterialien entwickelt, die auf den Übergang auf ein WiMINT-Studium abzielen. Auch an den Hochschulen wurden über diverse Förderlinien Projektstellen geschaffen, die den Übergang von der Schule zur Hochschule in den Blick nehmen.

Die AG cosh möchte aktuell folgende Arbeitsfelder angehen:

  • Die kontinuierliche Kommunikation zwischen Schule und Hochschule soll weitergeführt und weiterentwickelt werden.
  • Der cosh-Ansatz wird auf andere Fächer wie Physik übertragen.
  • Aus der cosh-Arbeit sollen schon während der Schulzeit einsetzbare Tools zur Selbstdiagnose entwickelt und zielgerichtete Interventionsmaßnahmen abgeleitet werden, sodass Schulabgänger sich bewusst und vorbereitet auf das angestrebte Studium einlassen.
  • Mathematik als Service-Fach in WiMINT-Studiengängen braucht eine eigene Fachdidaktik. Die AG cosh möchte dieses Anliegen forcieren und dazu ihren Beitrag leisten.

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