Quantitative Wissenschaftsforschung

Quantitative Wissenschaftsforschung

Wissenschaft hat für immer mehr Bereiche unserer Gesellschaft eine herausragende Bedeutung. Deshalb ist es umso wichtiger, dass das Wissenschaftssystem selbst möglichst optimal gestaltet und gefördert wird. Zur Bewertung der Qualität und Produktivität von Wissenschaft wird zunehmend auf Kennzahlen zurückgegriffen. Ein Ziel der Förderlinie „Quantitative Wissenschaftsforschung“ ist es, das mit diesen - und ggf. neuen - Kennzahlen verbundene Forschungspotenzial noch besser auszuschöpfen.

Die Wissenschaft erfüllt wichtige Funktionen für unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft und ihre Innovationsfähigkeit. Sie kann ihre positiven Wirkungen aber nur entfalten, wenn  die Rahmenbedingungen für sie auch wissenschaftsförderlich gestaltet sind. Dies setzt ein gesichertes Wissen darüber voraus, wie Wissenschaft – und allen voran Forschung - in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und unterschiedlichen Einrichtungen funktioniert. Dazu gehören auch die Fragen, was  gute Forschung eigentlich ist und wie die Qualität von Forschung gemessen werden kann. Diese Erkenntnisse können unterschiedlichen Akteuren in der Wissenschaft Orientierung bei ihrer Arbeit bieten, etwa Förderorganisationen, der Wissenschaftspolitik oder auch den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern selbst.

Der Fokus dieser Förderlinie liegt auf Untersuchungen, Analysen und Studien zu Aspekten von Wissenschaft und Forschung, die auf quantitative Daten über das Wissenschaftssystem zurückgreifen. Mit Hilfe dieser quantitativen Forschung sollen Funktionsweisen, Strukturabhängigkeiten und im Wissenschaftssystem zu beobachtende Dynamiken insgesamt besser verstanden werden. Auch Rückwirkungen datenbasierter Evaluationen von Forschung können betrachtet werden.

Aufbereitete Output- Daten über Wissenschaft stehen zur Verfügung

Es stehen inzwischen viele Daten zum Wissenschaftsbetrieb zur Verfügung. Daten zur dokumentierten wissenschaftlichen Kommunikation – also zu Veröffentlichungen und Zitationen – nehmen dabei eine besondere Rolle ein. Solche bibliometrischen Daten werden in Deutschland vor allem im seit einigen Jahren vom BMBF geförderten Kompetenzzentrum Bibliometrie (KB) (www.bibliometrie.info)  aufbereitet und zur Verfügung gestellt.

Förderung zu drei Schwerpunktthemen

Gefördert werden Projekte, die auf der KB-Datenbank und/oder weiteren Daten(quellen) basieren und Fragestellungen zu den im Folgenden beschriebenen drei inhaltlichen Schwerpunkten behandeln. Jeder Schwerpunkt bietet Raum für eine Vielzahl von relevanten Themen, einschließlich des Einflusses der Digitalisierung auf Forschung, Auswirkungen von Wissenschaftsevaluationen oder der Identifizierung von Zukunftsthemen in der Wissenschaft. Aber auch Projekte, die sich kritisch mit kennzahlen-basierten Governance-Ansätzen und ihren Folgen auseinandersetzen, sind grundsätzlich möglich.

  1. Strukturen und Dynamiken: Strukturen im Wissenschaftssystem unterscheiden sich in vielfältiger Weise – im Hinblick auf verschiedene Hochschul- und Institutsformen, Wissenschaftsdisziplinen, Länder und Staaten, Fördersysteme u.v.m. Diese Strukturen unterliegen Veränderungsprozessen, die von außen oder innerhalb des Systems selbst ausgelöst werden. Arbeiten in diesem Schwerpunktbereich befassen sich mit diesen Unterschieden und Dynamiken und den zugrunde liegenden Kausalbeziehungen.
  2. Leistungsmessung und Effizienz: Unter diesem Aspekt sind Forschungsfragen zu fassen, die sich damit beschäftigen, wie Qualität von Forschung und Forschungstransfer adäquat gemessen werden kann. Hinzu kommen Arbeiten, die der Frage nachgehen, in welchem Verhältnis verschiedene Arten von Forschungsleistungen („Output“) und vorhandenem Personal bzw. Budget („Input“) zueinander stehen.
  3. Reflexive Bibliometrie: Auf Publikationsleistungen basierende (bibliometrische) Kennzahlen werden inzwischen in verschiedenen Kontexten angewendet, etwa bei der Evaluation von Wissenschaftseinrichtungen oder der Bewertung einzelner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Akzeptanz dieser Maße ist jedoch begrenzt, auch weil deren Aussagekraft und Zuverlässigkeit nicht eindeutig geklärt ist. Ziel dieses Schwerpunktes ist es, zu letzterem vertiefte Erkenntnisse zu erlangen, sowie die Anwendungspraktiken und ihre Rückwirkungen zu analysieren.

Es wird angestrebt, dass in den verschiedenen Forschungsprojekten nicht nur bibliometrische, sondern auch weitere Datenquellen genutzt werden. Neben den quantitativen Analysen ist die Ergänzung durch weitere – ggfs. qualitative - Forschungsmethoden erwünscht.

Eingereichte Projektvorschläge

Bis zum 19. Juli (Einreichfrist) wurden zum WiHo-Förderangebot "Quantitative Wissenschaftsforschung" insgesamt 58 Projektvorschläge eingereicht - rund 60% von Hochschulen und 40% von außeruniversitären FuE-Einrichtungen.

37 der eingereichten Skizzen sind dem Cluster A („Strukturen und Dynamiken“) zugeordnet, 12 dem Cluster B („Leistungsmessung und Effizienz“) sowie neun dem Cluster C „Reflexive Bibliometrie“). Etwas mehr als die Hälfte der eingereichten Skizzen sind Einzelvorhaben oder Nachwuchsgruppen. Weitere 25 Skizzen sind Forschungsverbünde.

In den nächsten Wochen werden die eingegangenen Projektskizzen nach der Prüfung auf Vollständigkeit und Erfüllung der formalen Zuwendungsvoraussetzungen unter Beteiligung externer Gutachterinnen/Gutachter bewertet. Dieser Prozess wird voraussichtlich Anfang Oktober 2017 abgeschlossen sein. Die Einreicher/-innen der positiv bewerteten Projektskizzen werden dann aufgefordert, einen förmlichen Förderantrag vorzulegen.