Leistungsbewertung in der Wissenschaft

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Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung veröffentlichten Förderangebots „Leistungsbewertung in der Wissenschaft“ werden Anreizsysteme und Leistungsbewertungsansätze betrachtet, die sich auf Forschung und/oder Lehre beziehungsweise auf andere Aufgabenbereiche wie die „third mission“ wissenschaftlicher Einrichtungen beziehen. Dabei werden die Wirkungsweisen betrachtet und letztlich auch Gestaltungswissen generiert, mit dem sich Wissenschaft bestmöglich steuern lässt.

Bisher wurde das Thema "Leistung in der Wissenschaft" überwiegend innerhalb der wissenschaftlichen Community diskutiert. Die Steuerung „von außen“ erfolgte durch die Bereitstellung finanzieller Ressourcen und die Kontrolle ihrer Verwendung. Ergebnisse und somit wissenschaftliche Leistungen wurden als Kriterium zur Mittelvergabe kaum oder gar nicht berücksichtigt. Diese Herangehensweise hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zunehmend verändert. Die neuen Verfahren beziehen den Leistungsoutput einer Institution stärker ein, um die Höhe der bereitzustellenden Ressourcen zu bestimmen. Gleichzeitig erhalten die wissenschaftlichen Einrichtungen weitgehende Autonomie hinsichtlich der Verwendung der Mittel. Der Erfolg dieses Governance-Ansatzes steht und fällt mit der Qualität der Leistungserfassungen in der Forschung – und möglichst auch in der Lehre – sowie mit der angemessenen Ausgestaltung der darauf aufbauenden Anreizsysteme. 

Autonomie, Transparenz und Legitimierung

Befürworter der neuen, output-orientierten Steuerungsansätze erwarten, dass mithilfe dieser Verfahren Qualität und Effizienz gesteigert und wissenschaftliche Leistungen besser sichtbar gemacht werden können. Dabei gehen sie von messbaren Leistungsunterschieden zwischen den Forschungseinrichtungen und Hochschulen sowie zwischen den dort tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus. In einem solchen Modell soll der Staat, anstatt direkt einzugreifen, eher aus einer übergeordneten Perspektive heraus Impulse setzen und Wettbewerb fördern. Im Gegenzug zu der dadurch gewonnenen größeren Autonomie muss sich die Wissenschaft allerdings zu mehr Transparenz und Rechenschaftslegung verpflichten. Diese Anschauung hat sich in der Wissenschaftspolitik weitestgehend durchgesetzt und prägt heute die Rahmenbedingungen des Wissenschaftssystems. Im Bereich der Lehre ist der Einsatz der neuen Steuerungsverfahren bislang begrenzt. Dies liegt in erster Linie an fehlenden Bewertungskonzepten. So existieren bisher kaum Indikatoren zur Bestimmung der Qualität der Lehre. Darüber hinaus kann die Lehre nur in Ausnahmefällen projektbezogen und auf im Wettbewerbsverfahren eingeworbenen Mitteln basierend finanziert werden.

Dem neuen Governance-Ansatz wird aus traditionellerer Position kritisch entgegengehalten, die Selbstbestimmung der Wissenschaft sei dadurch in Gefahr; die Verfahren zur Leistungserfassung in der Wissenschaft seien grundsätzlich als fragwürdig einzuschätzen und gingen mit einer leistungsmindernden Einschränkung wissenschaftlicher Freiräume einher. Aus dieser Perspektive sind Vertrauen, Zeitautonomie und intrinsische Motivation als Schlüssel zu leistungsstarker und kreativer Forschung zu werten. Negative Effekte werden beispielsweise darin gesehen, dass bei den neuen Ansätzen oft die Quantität anstelle der Qualität des Forschungsoutputs im Mittelpunkt stünde und darüber hinaus auch die Diversität der Forschungsthemen leiden könne.

In den zur Förderlinie gehörenden Forschungsvorhaben geht es in besonderem Maße um die Qualitätssicherung von Studium, Lehre und Forschung in Verbindung mit der neuen, indikatorengestützten Steuerung. Einbezogen werden dabei auch der theoretische Diskurs über die Begriffe Leistung und Qualität in Forschung und Lehre sowie Untersuchungen zu den Wirkungen der neuen Ansätze.

Wonach wird geforscht?

Ziel der Förderlinie „Leistungsbewertung in der Wissenschaft“ ist es, bestehende Lücken im empirisch fundierten Wissen über Steuerungsansätze in der Wissenschaft (Forschung und Lehre) zu füllen. Hierfür haben unabhängige Gutachterinnen und Gutachter 17 Forschungsvorhaben zur Förderung empfohlen, die folgenden Feldern zuzuordnen sind:

  • Analytisch-kritische Auseinandersetzung mit den bestehenden Indikatoren, Verfahren und Anreizsystemen der Leistungsbewertungen in Forschung und Lehre
  • Theoretisch begründete Entwicklung und Validierung neuer Indikatoren, Verfahren und Anreizstrukturen für verschiedene Steuerungsebenen in Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie für die externe Governance
  • Untersuchungen zur Wirksamkeit bestehender Steuerungs- und Bewertungsverfahren im Sinne der intendierten Ziele, Effekte und Reaktionen auf die relevanten Akteure und Handlungsebenen im organisationalen Gefüge der Hochschulen/außeruniversitären Forschungseinrichtungen
  • Untersuchungen zu den darüber hinausgehenden Wirkungen bestehender Steuerungs- und Bewertungsverfahren – einerseits für das innere Gefüge des Wissenschafts-/Hochschulsystems und andererseits für Politik und Gesellschaft
  • Forschung zu den organisationalen, personalen und rechtlichen Rahmenbedingungen und somit die analytisch-kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Systemen der Erfassung von Leistung in Lehre und Forschung sowie die Entwicklung von Ansätzen zur weiteren Ausgestaltung und Professionalisierung solcher wissenschaftsnaher Dienstleistungen
  • Wissenschaftliche Begleitforschung zur Implementierung von Verfahren zur Leistungsbewertung in der Wissenschaft an mehreren Hochschulen/Forschungseinrichtungen bei zu erwartendem Erkenntnisgewinn für Akteure in Politik und Praxis

Laufzeit der Förderlinie

Die Veröffentlichung dieses Förderangebots erfolgte im September 2012. Die 17 ausgewählten (Verbund-) Projekte starteten ab September 2013. Bei Laufzeiten von bis zu 4 Jahren endet das Gros der Projekte Ende 2016/Anfang 2017. 


Die Koordinierungsstelle

Die Koordinierungsstelle an der TU München unter der Leitung von Prof. Dr. Isabell M. Welpe und PD Dr. Jutta Stumpf-Wollersheim vernetzt die 17 Teilprojekte dieser Förderlinie untereinander sowie mit externen Interessierten aus Wissenschaft und Praxis. Sie bündelt darüber hinaus die in den Projekten generierten Befunde, bereitet diese auf und sorgt für den Ergebnistransfer, beispielsweise in Form von Handlungsempfehlungen. Außerdem stellt die Koordinierungsstelle projektbegleitend und förderlinienintern ein Datenmanagementsystem zur Verfügung, mit dem Ziel, eine möglichst gute Nutzung der gesammelten Daten zu gewährleisten und Doppelarbeiten innerhalb der Förderlinie zu vermeiden. 

Kontakt:

Koordinierungsstelle „Leistungsbewertung in der Wissenschaft“
Lehrstuhl für Strategie und Organisation
Technische Universität München
Prof. Dr. Isabell M. Welpe / PD Dr. Jutta Stumpf-Wollersheim
Arcisstraße 21
D-80333 München
Tel.: +49 89 289 24800
Fax: +49 89 289 24805
E-Mail: leistwi(at)strategy.wi.tum.de